Ausbildung ehrenamtliche Krisenbegleiter*innen

Menschen beistehen

Ihre Aufgaben als Krisenbegleiter*in

Als Krisenbegleiter*in stehen Sie Menschen nach einem Suizidversuch zur Seite. Menschen in Lebenskrisen brauchen jemanden an Ihrer Seite. Der AKL bietet deshalb Begleitung durch ehrenamtlich Mitarbeitende nach dem Modell „ein Mensch an meiner Seite“ für Menschen nach einem Suizidversuch an.
Diese Suizidnachsorge beginnt mit dem Angebot eines ersten Gesprächs noch in der Klinik auf der Intensivstation; daran schließt sich eine längere oder kürzere Begleitung an. Die Suizidnachsorge des Arbeitskreis Leben wird hauptsächlich von den ehrenamtlich Mitarbeitenden getragen. Dabei besteht Ihre Aufgabe v.a. darin, da zu sein, ein offenes Ohr und ein offenes Herz zu haben. Viele Menschen nach einem Suizidversuch erleben genau das als Hilfe. Das ist oft schon der Anfang dafür, die Krise zu verstehen und einen Weg herauszufinden.

Intensive und interessante Vorbereitung

Ihre Ausbildung zum/zur Krisenbegleiter*in

Etwa alle zwei Jahre starten wir einen neuen Ausbildungskurs, um Menschen für dieses Engagement in der Suizidnachsorge zu qualifizieren. Nach einer Informationsveranstaltung, einer schriftlichen Bewerbung und einem persönlichen Einzelgespräch können Sie die Ausbildung beginnen, die Sie auf die ehrenamtliche Krisenbegleitung vorbereitet. Sie hat einen Umfang von 70 Stunden, dauert ein dreiviertel Jahr und beinhaltet eine Grundausbildung in personenzentrierter Gesprächsführung, Selbsterfahrung in der Gruppe, Rollenspiele, Kenntnisse aus der Suizidtheorie, psychologisches Grundwissen, Logistik der Kliniken und Hospitation bei der Supervision der Mitarbeitenden. Die Treffen finden einmal im Monat samstags und zweimal pro Monat mittwochabends statt. Die nächste Ausbildungsgruppe startet im Herbst 2027.

Teil des Teams

Voraussetzung zur Mitarbeit

Voraussetzung für die Ausbildung und Mitarbeit sind allgemein zwischenmenschliche Qualitäten, psychische Belastbarkeit, Lernbereitschaft, eine reflektierte Beziehungsfähigkeit, die Bereitschaft, sich mit eigenen Prägungen auseinanderzusetzen und Wahrnehmungen und Gefühlslagen abgleichen zu wollen. Außerdem ausreichend verfügbare Freizeit, Offenheit und Motivation, regelmäßig an Supervision und Fortbildung (zwei Samstage pro Jahr) teilzunehmen.

Ehrenamtlich mitarbeiten

Teil des AKL-Teams sein

Im Anschluss an die Ausbildungsphase kommt die Gruppe weiterhin mittwochabends alle zwei Wochen zur sogenannten Fallbesprechung bzw. Supervision unter der Leitung einer externen Supervisorin oder einer hauptamtlichen AKL- Mitarbeitenden zusammen. Zweimal jährlich gibt es samstags eine ganztägige Fortbildungsveranstaltung. Eine Teilnahme an Supervision und Fortbildung ist für uns ehrenamtliche Mitarbeitende selbstverständlich, da es zur Qualitätssicherung unserer Begleitungen beiträgt.

Wir empfinden es als hilfreich, bei dieser Arbeit nicht allein da zu stehen, sondern Rückhalt in der Gruppe der Mitarbeitenden zu haben und die Gespräche supervisorisch zu reflektieren. Darum achten wir darauf, dass wir als AKL auch die Möglichkeit haben miteinander Feste zu feiern und Gemeinschaft zu pflegen.

Rosemarie Meyer

Warum bin ich ehrenamtlich für den AKL tätig?

Zuerst war das Thema Neuland für mich. In der Ausbildungsgruppe wurde ich fundiert und gründlich vorbereitet. Das heißt, so ganz vorbereitet zu sein, gelingt mir nicht immer. Das wird mir bei jedem Einsatz erneut klar.
An meinem Einsatztag rufe ich morgens und am Nachmittag in zwei Krankenhäusern an. Aber was erwartet mich dann? Einsatz oder kein Einsatz. Und was bedeutet „ Einsatz“? Wir haben gelernt, uns ganz auf den Menschen einzulassen, den wir dann im Krankenhaus antreffen. Ganz offen zuhören, die eigenen Vorstellungen weglassen, Kopfkino ausschalten, Ratschläge zurückhalten…, zuhören, einen Zugang finden! Wir wünschen uns, dass es zu einem guten Gespräch kommt, es kann aber auch Aushalten von Schweigen sein. Auf alle Fälle wenden wir uns dem Menschen in seiner besonderen Notlage zu, hören zu, schweigen mit ihm oder reden mit ihm.
Manchmal ist dies der erste und einzige Kontakt, manchmal sind mehrere Begegnungen hilfreich.
Ich habe in meinen AKL-Jahren viel für mich dazu gelernt und glaube, dass ich jetzt ein guter Zuhörer sein kann und zumindest diesem unbekannten Menschen in seiner Krisensituation mein Ohr und meine Zeit schenken kann.

Rosemarie Meyer, Ehrenamtliche Krisenbegleiterin beim Arbeitskreis Leben Heilbronn

Angela Wild

Warum bin ich ehrenamtlich für den AKL tätig?

Mein Name ist Angela Wild und ich bin seit zwei Jahren ehrenamtlich für den Arbeitskreis Leben (AKL) Heilbronn tätig. Mein Weg in dieses Ehrenamt war getragen von einer persönlichen Überzeugung und dem Wunsch, einen Unterschied im Leben anderer Menschen zu machen. Die Krisenbegleitung nach einem gescheiterten Suizid ist eine herausfordernde, aber ebenso erfüllende Aufgabe, die mich tief bewegt und prägt.
Die Entscheidung, mich der Krisenbegleitung zu widmen, fiel nicht spontan. Vielmehr entstand sie aus einem inneren Bedürfnis, Menschen in existenziellen Lebenskrisen beizustehen.

Da sein für andere
Viele Menschen fühlen sich in schwierigen Lebensphasen allein und unverstanden. Ich darf in meinen Bereitschaftsdiensten Begleiterin sein, die zeigt, dass niemand alleine durch solche Situationen gehen muss. Diese Unterstützung anzubieten, ist für mich ein Ausdruck von Mitgefühl und Solidarität. Darüber hinaus ist das Thema „Suizid“ immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema. Ich möchte aktiv daran mitarbeiten, Offenheit zu schaffen und den Betroffenen eine Stimme zu geben. Es ist wichtig, über dieses Thema zu sprechen, Vorurteile und Klischees aufzuklären und nicht wegzuschauen.

Mich persönlich weiterzuentwickeln
Das Ehrenamt gibt ebenso die Möglichkeit, sich selbst weiterzuentwickeln. Neben den Gesprächen mit den Betroffenen, besuchen alle Ehrenamtliche verbindlich im 14-tägigen Rhythmus, die Supervision zur Reflexion der Begleitungen. Durch das Vorstellen der anonymisierten Fälle mit entsprechenden Fragestellungen, teile ich meine Wahrnehmung mit anderen Krisenbegleitern, erhalte ein Feedback und erkenne alternative Handlungsoptionen für weitere Fallbegleitungen. Nicht zuletzt dient die professionell angeleitete Supervision durch Frau Hornberger (Leitung AKL) und Frau Pfeilsticker-Spohr auch der eigenen Psychohygiene. Zusammenfassend, ein wichtiges und unersetzliches Instrument, um verantwortungsbewusst im Ehrenamt tätig zu sein.

Gut vorbereitet
Bereits im Voraus zur ersten Bereitschaftsdienstübernahme haben alle Ehrenamtliche eine umfassende Qualifizierung im Rahmen der AKL-Ausbildungsgruppe erhalten, welche uns für dieses Amt gerüstet hat. Es ist keine Aufgabe, die man ohne Hintergrundwissen ausführen kann. Die Konfrontation – außerhalb von Film und Fernsehen – vor einem realen Menschen zu sitzen, der hoffnungslos und lebensmüde ist, verlangt Gesprächstechniken, Wissen über Beratungsstellen in Stadt- und Landkreis, das Einschätzen der aktuellen Situation, verbunden mit Ablaufplänen, die verlässlich einzuhalten sind.
Ich möchte mit meinem Bericht auch Begeisterung für diese sinnstiftende Tätigkeit transportieren: Die Arbeit mit Menschen in Krisensituationen erfordert Empathie, Geduld und ein offenes Herz. Es ist keine leichte Aufgabe, aber sie ist unglaublich erfüllend. Jeder Kontakt, jedes Gespräch ist einzigartig und zeigt mir, wie wichtig es ist, dass wir füreinander da sind. Zu erleben, wie jemand langsam wieder Hoffnung schöpft, ist ein Geschenk, das mit nichts anderem vergleichbar ist.

Helfen durch Zuhören
Ich darf lernen, wie kraftvoll das Zuhören sein kann. Es geht nicht darum, sofort Lösungen anzubieten, sondern den Menschen Raum zu geben, ihre Gefühle und Gedanken auszudrücken. In diesen Momenten entsteht eine Verbindung, die Hoffnung und Perspektive schafft.
Ich möchte jeden ermutigen, sich mit dem Gedanken an ein Ehrenamt zu beschäftigen – insbesondere in der Krisenbegleitung. Es ist eine Aufgabe, die nicht nur den Menschen hilft, die Unterstützung suchen, sondern auch einem selbst. Man lernt, das Leben aus einer neuen Perspektive zu sehen und entwickelt ein tiefes Verständnis für die Stärke und Verletzlichkeit, die uns alle verbindet.
Für mich ist die Arbeit beim AKL Heilbronn nicht nur ein Ehrenamt, sondern eine Herzensangelegenheit. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir gemeinsam auch die schwierigsten Situationen bewältigen können – wenn wir füreinander da sind.

Angela Wild, Ehrenamtliche Krisenbegleiterin beim Arbeitskreis Leben Heilbronn